Besuch bei Altolandon

November 2017

 

 

Ganz frisch zurück von einer aktuellen Reise zu Altolandon, Manchuelo, möchte ich Ihnen gerne über alle Einzelheiten dieses Weingutes berichten. Von Zürich aus gibt es eine sehr angenehme Verbindung nach Valencia.

 

Von dort brauchte ich ca. eine Stunde nach Requena, mitten im Anbaugebiet Utiel-Requena, eher bekannt für Massenweine. 

Dort übernachtete ich und fuhr dann am nächsten Tag weiter zu Altolandon in der Nähe vom kleinen Ort Landete. Altolandon hat sich zu einem unserer Topwinzer herausgestellt, die auch bei Jahrgangswechsel ihre Konstanz zeigen. Die Winzerin Rosalìa Molina entschied sich vor ungefähr 25 Jahren zusammen mit ihrem Ehemann ein kleines Weingut mit anfangs 3 Hektaren in der Nähe von einem sehr abgelegenen Ort namens Landete zu beginnen.

 

Das Weingut liegt an einer „Kreuzung“ zwischen drei verschiedenen Anbaugebieten – Castilla La Mancha, Utiel-Requena und Aragon. Entscheidender und sehr auffälliger Umstand ist, dass das Weingut auf ca. 1.100 m.ü.M. gelegen ist.

 

 

So ergeben sich relativ große Unterschiede zwischen Tag- und Nachttemperaturen. Um ca. 10h morgens war es jetzt noch sehr kalt. Sogar im Sommer gehen die Nachttemperaturen auf zwischen 5-10°C, selbst wenn die Tagestemperaturen bei 35°C waren. Im Winter 2016 hatten sie ca. 1m Schnee und ein kleines Skigebiet liegt ca. 30 min entfernt. Somit ist das Weingut in seiner Stilistik sehr frisch und von einer sehr deutlichen Beerenaromatik geprägt.

 

Auffällig waren zwei Sachen: Die enorme Spanne von diversen Bodenarten und die aktuelle Trockenheit. Rosalìa hat auf ihrem Weingut viele diverse Bodenarten und baut die Weine entsprechend der Böden aus. Das heißt sie baut Rebsorten nach den verschiedenen Böden aus und behält sie auch bis zum endgültigen Verschnitt separat.

 

In der Hauptsache sind die Böden eher rot bis rötlich, das heißt sie haben einen hohen Eisenanteil, dadurch erhalten die Weine eine ganz besondere Fruchtigkeit, die für Spanien fast ungewöhnlich ist und sich speziell in Richtung Beerenobst ausdrückt.

 

Um diese Frische und Beerigkeit gut zu bewahren geht, Rosalìa komplett neue Wege.

 

Sie und ihr Mann haben sich beim Studium für Önologie in Requena kennengelernt. Eigentlich hätte Rosalìa nicht Weinbau studieren sollen, ihr Vater war aber strikt dagegen. Damals war der Weinbau in Requena ein Massengeschäft und auch heute noch eine Wirtschaftsform, die in ihrer jetzigen Form auf kurz oder lang ausstirbt.

 

Leider bedauern sie und ihre Mutter heute noch, dass er nie ihr Weingut sehen wollte. Er wäre bestimmt sehr stolz gewesen auf seine Tochter.

 

Ihr und ihres Mannes Wunsch war es, ein Weingut und Weine zu machen, die quasi bilderbuchmäßig sind.

 

Dafür dachten sie, ist das Weingut in Landete wie geschaffen. Mit der Hilfe von Önologen aus Bordeaux suchten sie sich das geeignete Rebgut aus und legten los.

 

Ihnen waren das Kleinklima, die Böden und die daraus resultierende Komplexität der entscheidende und bestimmende Faktor in der Weinbereitung.

 

Mit einer Förderung vom Staat kauften sie weitere Flächen dazu und bauten schließlich die Gebäude, in denen sie heute die Weine ausbauen. Heute umfasst das Weingut 120 ha Fläche.

 

Wie Sie als geneigter PersoVino Kunde dabei wohl bemerken, handelt es sich hierbei nicht mehr um ein „kleines“ Weingut. Unser Kredo ist aber, dass man auch in einem großen Weingut sehr bodenbetonte Weine ausbauen kann.

 

Um die eingeleitete Frage wegen des Erhalts der Fruchtigkeit zu beantworten, war ich deutlich überrascht, dass Rosalìa sich immer mehr neben großvolumigen Barriques auch dem Betonei oder der Amphore verschreibt.

 

Die ersten Versuche waren sehr vielversprechend. Sie hat die Trauben entrappt darin ausgebaut mit z.T. längeren Standzeiten von bis zu 4 Monaten. Dann die Schalen abgepresst und den Wein nochmal für 12 Monate hineingelegt.

 

Die Amphore sorgt für eine sehr feine und gleichmässige Oxidation, die ein feineres Ergebnis als beim Holz ergibt, weil dadurch die Tannine besser eingebunden werden und die Fruchtigkeit erhalten bleibt.

 

Der Wein bleibt fast 18 Monate im Kontakt mit der Hefe, ein Umstand, der für die meisten spanischen oder überhaupt internationalen Winzer ein No-Go ist. Einmal wöchentlich wird die Hefe aufgerührt. Das bedeutet dann im weiteren Verlauf, dass der Wein noch bis zu mehreren Jahren gelagert werden muss, bis er trinkreif ist.

 

So lagert Rosalìa die Weine – mit den damit einhergehenden sehr starken finanziellen Einschränkungen – manchmal noch 5 Jahre.

 

 

Mit einem Sortenspektrum von angefangen bei den lokalen Rebsorten Bobal und Grenache (Garnatxa) über internationalen wie Syrah, Cabernet Franc, Merlot, Malbec und jetzt Touriga Nacional bei den roten bis Chardonnay, Muscat à Petit Grains, Airen als lokale, bei den Weißen geht sie bewusst neue Wege.

 

So baute sie auch für spanische Verhältnisse sehr ungewöhnlich in drei verschiedenen Jahrgängen einen Eiswein aus. Oder wie im Jahrgang 2016 einen Spätleseartigen Süßwein. Für Spanien absolut unerhört.

 

Das Alter ihrer Weinberge reicht von ca. 25 Jahren bis in das sehr betagte Alter von ca. 100 Jahren wie bei einigen Anlagen mit Bobal (wie im Bild zu sehen). Auch hier zeigt sich ihre Vorstellungskraft, dass sie aus dem lokalen Massenträger eine für die Region seltene Dichte und Fülle herausarbeiten kann, wiederum nur bei sehr niedrigen Erträgen.

 

Wenn man bei einer normalen Bobal Rebe von ca. 20 kg Ertrag ausgehen kann, dann muss bei ihren Reben ca. 1,5 kg ansetzen. Hinzu kommen dann noch die sehr kargen Böden und Klimabedingungen.

 

Kein Wunder also, dass der Malbec, der Altolandon und der Irrepitible ein solche enorme Dichte aufweisen.

Altolandon
ab CHF 27.00 1
Dona Leo
ab CHF 16.00 1
Irrepitibile
ab CHF 17.00 1

 

Wir wünschen Ihnen viel Genuss!

 

Ihr Jan Kux mit Rosalìa Molino